Es war am vergangenen Samstag eigentlich alles angerichtet für einen großen Football-Nachmittag in Landsberg: Die Sonne schien, Burger und Pommes brutzelten, 1.200 Zuschauer waren zum KEMAPACK-Gameday gekommen und die Vorfreude auf das erste Heimspiel des Landsberg X-PRESS in der Regionalliga Süd war groß. Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl eröffnete die Partie mit dem Coin Toss – und der ging zunächst sogar an die Hausherren.
„Auch wenn es sportlich heute nicht ganz rundgelaufen ist, war es wieder ein großartiges Erlebnis: 1.200 Zuschauer, strahlendes Wetter und eine tolle Atmosphäre. Unsere Jungs haben sich wirklich angestrengt, auch wenn es gegen diese Defense natürlich schwer war. Ich wünsche dem Landsberg X-PRESS auf jeden Fall eine erfolgreiche Saison“, sagte Baumgartl nach der Partie.
Sportlich aber wurde es für die X-MEN ein harter Nachmittag. Am Ende stand eine deutliche 0:28-Niederlage (0:0, 0:7, 0:14, 0:7) gegen die Fursty Razorbacks aus Fürstenfeldbruck, die vor allem defensiv abgeklärt, physisch und mit viel Erfahrung auftraten. Das Ergebnis fiel deutlich aus, erzählte aber nicht die ganze Geschichte dieses Spiels.
Starker Beginn, aber keine Punkte
Der X-PRESS kam zunächst gut in die Partie. Nach dem Kickoff waren die Gastgeber in der Defense sofort hellwach. X-MAN Devion Young hatte es immer wieder mit Nicholas Alberico zu tun, der die Landsberger Verteidigung über weite Strecken forderte. Auch Razorbacks-Quarterback Laurin Neumeyer versuchte früh, selbst Raumgewinn zu erzielen, wurde aber gestoppt. Die Gäste mussten punten.
Der erste Drive der Landsberger Offense machte Mut. Über Nico Schaller und Lennard Roetzer ging es nach vorne, Quarterback Lukas Saurwein fand mit kurzen Pässen zunächst gute Lösungen. Doch sobald der X-PRESS über das Laufspiel kommen wollte, war die Defense der Razorbacks zur Stelle. Claudio Bierhenke wurde gestoppt – ein Bild, das sich an diesem Nachmittag mehrfach wiederholen sollte. Auch Amadeus Beuthner und Michael Ertel fanden gegen die zupackende Defensive der Gäste kaum Lücken.
Ein Sack gegen Saurwein brachte den Drive schließlich ins Stocken. Der anschließende Fieldgoalversuch von Hannes Haug ging daneben. Auf der Gegenseite kamen aber auch die Razorbacks offensiv zunächst nicht wirklich durch. David Elßel versuchte es immer wieder, wurde unter anderem von Philipp Reichart hart gestoppt. Beide Defense-Reihen waren auf dem Posten, die Teams neutralisierten sich.
Pick Six bringt die Partie zum Kippen
Auch im zweiten Viertel blieb es lange ein enges Spiel. Leon Kling setzte für die Razorbacks einige energische Läufe, doch die Landsberger Defense hielt dagegen. Besonders Leonhard Riedle zeigte eine starke Leistung, setzte ein Ausrufezeichen mit einem Quarterback Sack und wurde später zum „Man of the Match“ des X-PRESS gewählt. Ein Fieldgoalversuch der Gäste misslang völlig, es blieb beim 0:0.
Doch die Offense der X-MEN fand weiterhin keinen Rhythmus. Die Läufe blieben weitgehend wirkungslos, Saurwein stand immer wieder unter Druck. Dann wurde ihm der Ball aus der Hand geschlagen, die Gäste kamen erneut in Ballbesitz. Wieder blieb ein Fieldgoalversuch der Razorbacks zu kurz.
Kurz vor der Halbzeit fiel dann doch der erste Touchdown – allerdings nicht durch eine Offense. Florian Danböck las einen Pass der Landsberger aufmerksam, fing den Ball ab und lief zum Pick Six in die Endzone. Der PAT saß, die Razorbacks führten 7:0. Bitter für den X-PRESS: Bis dahin hatte keine Offensive Punkte erzielen können.
„Wir haben uns das natürlich anders vorgestellt. Dabei sind wir eigentlich ganz gut ins Spiel gekommen und haben in der Offense den Ball auch bewegt. Wenn wir dann selbst den Ball haben, müssen wir aber auch scoren. Das haben wir nicht geschafft“, sagte Quarterback Lukas Saurwein. „Der erste Pick Six war bitter, der zweite dann auch ein bisschen unglücklich. Insgesamt war das Ergebnis am Ende zu deutlich, auch wenn es hinten raus schon verdient war. So etwas kommt vor, darf aber eigentlich nicht vorkommen. Es kann nur besser werden.“
Der zweite Fehler trifft die Moral
Nach der Pause wollten die Razorbacks mit einem Onside Kick offenbar sofort nachlegen, doch der Versuch misslang. Der X-PRESS bekam eine gute Ausgangsposition – konnte sie aber nicht nutzen. Ein Pass auf Bryant Hayes prallte unglücklich von der Hand ab, wieder war ein Verteidiger der Gäste zur Stelle, wieder wurde daraus ein Pick Six. Der PAT wurde zwar geblockt, doch plötzlich stand es 0:13.
Dieser zweite defensive Touchdown war ein Wirkungstreffer. Nun schien der X-PRESS demoralisiert, während die Defense der Gäste noch selbstbewusster wurde. Wenig später setzte sich Antony Walker gegen die Landsberger Defense durch und kämpfte sich in die Endzone. Es waren die ersten Punkte der Razorbacks-Offense an diesem Nachmittag. Die Two-Point-Conversion gelang, Fürstenfeldbruck führte 21:0.
„Ein 0:28 ist natürlich nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben. Trotzdem finde ich, dass wir vor allem in der ersten Halbzeit unfassbar gut mitgespielt haben. Bis zur Pause waren wir eigentlich ebenbürtig“, sagte Präsident Julius Angerer. „Das 0:28 ist verdient, aber das Ergebnis sieht härter aus, als es über weite Strecken für mich war. Die Razorbacks haben viele Spieler mit Zweitliga-Erfahrung in der Mannschaft, sind mannstark und einfach ein gutes Team. Defensiv waren sie heute besser, das muss man neidlos anerkennen.“
Razorbacks bringen den Vorsprung souverän nach Hause
Im Schlussviertel geriet Saurwein weiter unter Druck. Nun lief beim X-PRESS kaum noch etwas zusammen. Auch ein Punt von Hannes Haug wurde geblockt – mit fatalen Folgen. Im folgenden Drive fing Nicholas Alberico einen Pass in der Endzone der X-MEN. Nach erfolgreichem Extrapunkt stand es 0:28. Damit war die letzte Hoffnung der Landsberger dahin.
Die Razorbacks spielten die Partie anschließend abgeklärt zu Ende. Der X-PRESS kämpfte weiter, fand aber keine Mittel mehr, um noch zu Punkten zu kommen. Am Ende gewann die reifere und defensiv stärkere Mannschaft verdient.
Headcoach Gabriel Chambers nahm die Niederlage nach dem Spiel ausdrücklich auf seine Kappe: „Zuerst einmal ein großes Dankeschön an die Fans, die heute da waren und uns unterstützt haben. Es tut mir leid, dass wir ihnen nicht die Leistung zeigen konnten, die sie verdient hätten. Die Verantwortung dafür nehme ich auf mich. Ich werde nicht die Spieler dafür verantwortlich machen – als Coach ist es meine Aufgabe, die Mannschaft vorzubereiten. Ich dachte, wir wären bereit, aber wir haben es heute einfach nicht umgesetzt. Das hat man gesehen. Wir waren von Beginn an nicht richtig zusammen.“
Chambers sah vor allem die verpassten Chancen als entscheidend: „Wir hatten offensiv mehrfach den Ball und gute Feldpositionen. Wenn wir solche Chancen nicht nutzen, geraten wir in große Schwierigkeiten. Genau das ist heute passiert.“
Auch Leonhard Riedle fand klare Worte: „Uns war von Anfang an klar, dass es ein harter Kampf wird, und wir haben phasenweise auch gut dagegengehalten. Trotzdem hätten wir am Ende des Tages besser spielen müssen. Mir hat vor allem die Härte gefehlt. Natürlich spielen wir als Team zusammen, da geht es nicht darum, die Schuld bei Offense, Defense oder Special Teams zu suchen. Für uns heißt es jetzt: ins Training kommen und alles besser machen.“
Weckruf vor den nächsten Aufgaben
Für den Landsberg X-PRESS war diese Niederlage ein Dämpfer, aber noch kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Nach zwei Spielen steht das Team in der noch jungen Tabelle der Regionalliga Süd mit einem Sieg und einer Niederlage auf Platz vier – hinter den Neu-Ulm Spartans und vor den Nürnberg Hawks. An der Spitze stehen die Nürnberg Rams, die auch ihr zweites Spiel gegen die Hawks mit 56:27 gewannen und ihrer Favoritenrolle bislang gerecht werden.
Das nächste Heimspiel des X-PRESS ist am Samstag, 9. Mai 2026, um 17 Uhr gegen die Neu-Ulm Spartans.
Text: Dietrich Limp
Fotos: Paul Klieber