X-MEN lassen das Sportzentrum beben

Die Footballer des Landsberg X-PRESS haben sich mit einem echten Spektakel von ihrem Heimpublikum verabschiedet. Vor 1.211 Zuschauern besiegten die X-MEN die favorisierten Kirchdorf Wildcats beim Stadtwerke Landsberg GAMEDAY mit 42:10 (0:10, 21:0, 7:0, 14:0). Dabei sah es zunächst überhaupt nicht nach einem Landsberger Footballfest aus. Erst eine Gewitterunterbrechung brachte die Wende – danach spielte sich der X-PRESS in einen regelrechten Rausch.

Es war nicht nur das letzte Heimspiel der Saison, sondern zugleich das letzte von Head Coach Gabriel Chambers an der Landsberger Seitenlinie. Nach sechs Jahren werden sich die Wege des Trainers und der X-MEN nach Saisonende trennen. Entsprechend groß war der Wunsch der Mannschaft, ihren Coach nicht mit einer Niederlage aus dem heimischen Sportzentrum zu verabschieden.

Auch mit den Wildcats hatte der X-PRESS noch eine Rechnung offen. Das Hinspiel in Kirchdorf war nach dreieinhalb ebenso wilden wie denkwürdigen Stunden mit 41:43 verloren gegangen. Im Rückspiel sollte es nicht weniger ereignisreich werden – allerdings mit dem deutlich besseren Ende für Landsberg.

Kirchdorf übernimmt das Kommando

Bei zunächst besten Bedingungen und nur wenigen Wolken am Himmel erwischten die Gäste den deutlich besseren Start. Zwar sorgte Gabriel Chambers mit einem famosen Return nach dem Kickoff für die erste starke Landsberger Aktion, doch danach brachte die Offensive der Hausherren zunächst kaum etwas Brauchbares zustande.

Die Pässe von Quarterback Lukas „Luki“ Saurwein fanden ihre Abnehmer nicht, die Laufspielzüge endeten meist nach zu geringem Raumgewinn. Ganz anders präsentierten sich die Wildcats. Angeführt von Quarterback Armani Edden agierten die Gäste konsequent, konzentriert und zunächst klar überlegen.

Ein Field Goal brachte Kirchdorf mit 3:0 in Führung. Wenig später spazierte Running Back Stephan Schatz nahezu ungehindert durch die Landsberger Abwehr und erhöhte auf 9:0. Auch der Extrapunkt gelang – 0:10.

Nach dem Ende des ersten Viertels gab die Vorstellung des X-PRESS durchaus Anlass zur Sorge. Die Gäste hatten die Partie unter Kontrolle, während die X-MEN noch immer auf ihren ersten gelungenen Offensiv-Drive warteten.

„Der Start sah wirklich nicht gut aus. Kirchdorf hatte uns zunächst ziemlich gut im Griff, und auch ich hatte nicht meine besten Minuten. Die Interception war übel, dazu habe ich Hannes einmal überworfen“, räumte Saurwein nach der Partie ein.

Die Sirene läutet die Wende ein

Rund zwei Minuten waren im zweiten Viertel gespielt, als plötzlich die Warnsirene ertönte. Wegen eines herannahenden Gewitters mussten die Schiedsrichter die Partie unterbrechen. Beide Teams verschwanden für rund 20 Minuten in den Kabinen.

Auf den Rängen wurden Erinnerungen an frühere Spiele gegen Passau und Neu-Ulm wach. Auch damals war der X-PRESS nach einer wetterbedingten Unterbrechung wie verwandelt auf das Feld zurückgekehrt.

Genau das sollte sich wiederholen.

Zunächst hatten die Landsberger allerdings Glück. Ein Wildcats-Receiver ließ einen sicher geglaubten Touchdown in der Endzone fallen. Wenig später vergab Kirchdorf zudem ein Field Goal. Es sollten die letzten gefährlichen Aktionen der Gäste für lange Zeit bleiben.

Danach spielte nur noch eine Mannschaft: der X-PRESS.

„In der Pause haben uns die Coaches ordentlich den Kopf gewaschen“, berichtete Safety Devion Young. „Wir mussten uns sammeln, den Schalter umlegen und endlich anfangen, richtig Football zu spielen. Danach hat es plötzlich Klick gemacht. Ich kann gar nicht genau sagen, was passiert ist, aber genau so hätten wir eigentlich schon die gesamte Saison auftreten müssen.“

Drei Touchdowns in rund zehn Minuten

Was in den folgenden Minuten geschah, war kaum zu glauben. Die Landsberger Offensive, die zuvor praktisch nicht stattgefunden hatte, war plötzlich nicht mehr zu stoppen. Quarterback Saurwein fand seinen Rhythmus, die Offensive Line verschaffte ihm die notwendige Zeit und die Receiver hielten die Bälle fest.

Zweimal erreichte Hannes Haug die Endzone, einen weiteren Touchdown steuerte Bryant Hayes bei. Leon Bülow, der die Extrapunkte erst seit dem vorangegangenen Spiel in Amberg schießt, verwandelte alle drei Versuche sicher.

Innerhalb von nur rund zehn Minuten hatte der X-PRESS einen 0:10-Rückstand in eine 21:10-Führung verwandelt.

„Wir sind eine Mannschaft, die ihren Rhythmus braucht“, erklärte Saurwein. „Wenn wir den erst einmal gefunden haben, läuft es. Nach der Unterbrechung sind wir ruhig geblieben, haben immer besser ins Spiel gefunden und unsere Chancen genutzt. Unsere O-Line hat ein sehr starkes Spiel gemacht, und auch die Receiver haben danach eigentlich alles gefangen.“

Während bei Landsberg nun nahezu alles funktionierte, verloren die Wildcats zunehmend die Kontrolle über das Spiel. Die Gäste handelten sich reihenweise Strafen ein. Die Unruhe gipfelte in der Disqualifikation eines Kirchdorfer Spielers nach einem Angriff gegen den Kopf.

Hinzu kam großes Verletzungspech: Mit Shane Deshotel und Lukas Obermaier mussten zwei wichtige Leistungsträger der Wildkatzen das Feld verlassen.

In der kurzen Halbzeitpause herrschte auf den Rängen bereits Bombenstimmung. Dennoch blieb die Frage: Würde der X-PRESS diese Leistung durchhalten oder würde der favorisierte Gast aus Kirchdorf noch einmal zurückschlagen?

Halbzeit Bobycarrennen

Landsberger Defense übernimmt das Spiel

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Die Wildcats setzten ihre Fehler- und Strafenserie auch nach der Pause fort, während die Landsberger Defense endgültig zur Höchstform auflief.

Für das nächste große Ausrufezeichen sorgte Bryant Hayes. Er fing einen Pass der Kirchdorfer ab und trug den Ball über nahezu das gesamte Feld bis in die Endzone zurück. Pick Six für den X-PRESS! Bülow verwandelte auch den nächsten Extrapunkt – 28:10.

Von diesem Rückschlag erholten sich die Gäste nicht mehr. Die Defense um Devion Young und Philipp Reichart übte permanent Druck auf Kirchdorfs Offensive aus. Ferdinand Kölsch und Leonhard Riedle verbuchten jeweils einen Quarterback Sack, Maximilian Kieß brachte den gegnerischen Spielmacher gleich zweimal zu Boden.

Auch Luis Launer erwischte einen herausragenden Nachmittag und fing zwei Kirchdorfer Pässe ab. Niklas Eismann unterband im Schlussviertel einen weiteren Angriff der Gäste.

„Ich kenne Kirchdorf noch aus der GFL und weiß, welche Qualität diese Mannschaft besitzt“, sagte Young. „Manchmal entwickelt sich ein Spiel aber einfach in eine bestimmte Richtung. Am Ende kommt es darauf an, welches Team besser vorbereitet ist – und ich glaube, das waren an diesem Tag wir.“

Die gesamte Landsberger Defensive wurde nach der Partie vollkommen zu Recht zum „Man of the Match“ gekürt. Einen einzelnen Akteur aus dieser Mannschaftsleistung hervorzuheben, wäre kaum möglich gewesen.

Saurwein und Ertel machen alles klar

Im letzten Viertel legte die Landsberger Offensive noch einmal nach. Saurwein täuschte eine Ballübergabe an, behielt das Spielgerät und lief selbst zum Touchdown in die Endzone. Bülow blieb auch diesmal sicher – 35:10.

Spätestens jetzt verwandelte sich das Landsberger Sportzentrum in eine Partyzone. Die Fans feierten jeden Spielzug, die Starlights trugen ihren Teil zur großartigen Stimmung bei und auf dem Feld ließ der X-PRESS nichts mehr anbrennen.

Die X-MEN setzten nun verstärkt auf ihr Laufspiel. Dadurch bewegten sie nicht nur den Ball, sondern ließen auch die Uhr gnadenlos herunterlaufen. Claudio Bierhenke überzeugte dabei mit kraftvollen Läufen, ehe Michael Ertel seine starke Leistung mit dem letzten Touchdown des Tages krönte.

Auch der sechste Extrapunkt von Leon Bülow saß. Drei Minuten vor dem Ende stand es 42:10 – die Entscheidung war längst gefallen.

„Ich bin immer noch sprachlos“, sagte Bülow. „Das ganze Team hat zusammengehalten – egal ob Offense, Defense oder Special Teams. Nach der Gewitterpause sind wir noch stärker zurückgekommen. Wir haben gemeinsam gekämpft, mehr Disziplin gezeigt und es auf dem Platz bewiesen. Das war einfach geil.“

Auch zu seiner makellosen Bilanz bei den Extrapunkten hatte der ehemalige Fußballer eine ebenso einfache wie treffende Erklärung: „Der letzte Kick war zwar etwas holprig, aber drin ist drin.“

Emotionaler Abschied für Gabriel Chambers

Die letzten Minuten wurden zum Schaulaufen. Jeder im Stadion wusste nun, dass der X-PRESS seinem scheidenden Head Coach einen mehr als versöhnlichen Abschied bereiten würde. Als die Uhr schließlich abgelaufen war, kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

Nach sechs Jahren an der Seitenlinie wurde Gabriel Chambers vom Präsidium persönlich verabschiedet. Dabei wurde deutlich, dass dieser Abend auch an dem sonst so energiegeladenen Head Coach nicht spurlos vorüberging.

„Es ist emotional, aber ich bin mit meiner Entscheidung im Reinen“, sagte Chambers. „Ich habe in den vergangenen sechs Jahren alles gegeben, was ich geben konnte. Jetzt freue ich mich vor allem für die Jungs und darüber, dass wir mein letztes Heimspiel gemeinsam mit einem Sieg beenden konnten.“

Gerade in seinen ersten Jahren hatte Chambers viele Aufgaben selbst übernommen, bevor der Trainerstab nach und nach verstärkt wurde. Seine Mannschaft formte und forderte er nicht nur sportlich.

„Manche dachten vielleicht, dass ich die Spieler zu hart trainiere. Mir ging es aber immer darum, aus ihnen erwachsene Männer zu machen und ihnen dabei zu helfen, das Beste aus sich herauszuholen – auf dem Footballfeld und außerhalb.“

Vorerst möchte Chambers Abstand vom Football gewinnen. Im Dezember wird er Vater einer Tochter, weshalb nun seine Familie im Mittelpunkt stehen soll. Zwar hätten bereits andere Teams Kontakt zu ihm aufgenommen, ein schneller Wechsel komme für ihn momentan aber nicht infrage.

„Mein Herz ist noch in Landsberg. Bevor ich mich auf etwas Neues einlassen kann, brauche ich erst einmal Abstand und Zeit für meine Familie.“

Besonders die Unterstützung der Landsberger Fans werde ihm in Erinnerung bleiben: „Die Fans waren immer da. Sie haben die Mannschaft und mich während meiner gesamten Zeit unterstützt. Ich liebe Landsberg.“

Saisonfinale bei den Nürnberg Rams

Mit dem vierten Saisonsieg verbessert sich der Landsberg X-PRESS auf den fünften Platz der Regionalliga Süd. Zum Abschluss wartet noch einmal eine schwere Aufgabe: Am Samstag, 8. August 2026, treten die X-MEN bei den Nürnberg Rams an. Kickoff ist um 17 Uhr.

Und dann war sie auch schon wieder vorbei, die Footballsaison vor eigenem Publikum. Stadionsprecher Knut bedankte sich zum Abschluss beim Catering-Team, den Coaches, dem Presseteam, dem Vorstand, den Cheerleadern und natürlich beim besten Publikum der Liga.

Der letzte Heimauftritt hat jedenfalls große Vorfreude auf das kommende Jahr geweckt. Nach einer solchen Leistung darf die nächste Saison gerne kommen.

Wir sehen uns 2027!

Text: Dietrich Limper