Die Footballer des Landsberg X-PRESS mussten am vergangenen Samstag eine ganz bittere Niederlage einstecken. Vor 714 Zuschauern verlor unsere Mannschaft am BOTZENHARD-Gameday in der Regionalliga Süd gegen die Munich Cowboys II knapp mit 13:15 (0:0, 7:12, 0:0, 6:3).
Es war eines dieser Spiele, nach denen man lange nach Worten sucht. Unsere Jungs hatten vieles im Griff, führten früh, kämpften sich im letzten Viertel noch einmal zurück – und standen am Ende doch mit leeren Händen da. Drei Sekunden vor Schluss entschieden die Gäste die Partie per Field Goal für sich. Eine Niederlage, die weh tut, weil sie vermeidbar war.
In der Tabelle stehen die X-MEN nach sechs Spielen nun bei zwei Siegen und vier Niederlagen auf dem vorletzten Platz. Umso wichtiger wird es jetzt, die richtigen Schlüsse aus diesem Abend zu ziehen.
Jan Roller übernimmt erneut Verantwortung
Schon vor dem Kickoff war klar, dass die Aufgabe nicht einfacher werden würde: Lukas Saurwein fehlte weiterhin verletzt, deshalb musste Jan Roller erneut in die Rolle des Quarterbacks schlüpfen. Und das machte er unter den Umständen sehr ordentlich. Jan hatte fast zwei Jahre nicht mehr auf dieser Position gespielt, übernahm aber Verantwortung, setzte immer wieder eigene Läufe und fand auch im Passspiel einige gute Lösungen.
X-PRESS-Präsident Julius Angerer nahm ihn nach dem Spiel ausdrücklich in Schutz: „Natürlich ist es nicht einfach, wenn man mit dem Backup-Quarterback antreten muss, aber Jan hat seine Sache wirklich gut gemacht – an ihm lag es auf keinen Fall. Wir haben das Spiel viel zu lange offen und viel zu knapp gehalten. Am Ende ist es unglücklich ausgegangen, aber eigentlich müssen wir so ein Spiel gewinnen.“
Starke Defense, guter Beginn, aber keine Punkte im ersten Viertel
Die Munich Cowboys II hatten den ersten Drive der Partie. Quarterback Marinus Dinglreiter führte seine Offense zwar in unsere Hälfte, wirklich gefährlich wurde es aber zunächst nicht. Devion Young und Bryant Hayes waren aufmerksam, unsere Defense stand stabil und nahm den Gästen früh viele Optionen weg.
Auch als München verstärkt das Passspiel suchte, blieben die Lechstädter konzentriert. Maximilian Kieß setzte mit einem frühen Quarterback-Sack ein erstes Ausrufezeichen. Die Botschaft war klar: Unsere Defense war da.
Offensiv lief bei den X-MEN zu Beginn vieles über Claudio Bierhenke. Der Running Back arbeitete sich immer wieder mit starken Läufen durch die Cowboys-Defense und wurde später folgerichtig zum Man of the Match auf Landsberger Seite gewählt. Die erste gute Chance auf Punkte blieb allerdings ungenutzt: Hannes Haug versuchte sich an einem Field Goal, doch der Ball segelte deutlich an den Stangen vorbei.
Kurz vor Ende des ersten Viertels sorgte Bryant Hayes noch für einen starken Return, doch Punkte fielen zunächst keine. Nach den ersten zwölf Minuten stand es 0:0.
Beuthner bringt den X-PRESS in Führung
Direkt nach dem Seitenwechsel belohnten sich unsere Jungs endlich. Amadeus Beuthner lief zum verdienten Touchdown für den X-PRESS. Dieses Mal passte auch der Extrapunkt: Hannes Haug verwandelte sicher zum 7:0.
Zu diesem Zeitpunkt wirkte es, als hätten die Hausherren die Partie im Griff. Die Defense war der Gäste-Offense bis dahin überlegen, München hatte kaum Antworten gefunden, und unser Laufspiel funktionierte. Doch genau in dieser Phase verloren die Landsberger den Faden.
Niels „Rolf“ Eckstein brachte es nach der Partie auf den Punkt: „Ich kann gar nicht genau sagen, woran es gelegen hat. Unsere Defense hat eigentlich gut gestanden und nur zwei Fehler gemacht. Aber wir alle müssen es einfach besser machen.“
Diese kleinen Nachlässigkeiten wurden sofort bestraft. München kam überraschend zum 7:6-Anschluss. Immerhin ging die anschließende Two-Point-Conversion völlig daneben, sodass der X-PRESS knapp vorne blieb.
Emre Gökce dreht das Spiel
In der Folge fand Jan Roller Hannes Haug mit einem schönen Pass, doch ein ausgespielter vierter Versuch brachte nicht den erhofften neuen ersten Down. Die Cowboys übernahmen – und dann trat der Mann in den Mittelpunkt, der diese Partie entscheidend prägen sollte: Running Back Emre Gökce.
Gökce zeigte nun, warum er auch im GFL-Kader der ersten Mannschaft der Munich Cowboys steht. Immer wieder fand er Lücken, brach Tackles und hielt die Gäste-Offense praktisch im Alleingang am Leben. Kurz darauf sorgte er für den nächsten Touchdown der Münchner. Auch die zweite Two-Point-Conversion der Cowboys misslang, doch plötzlich stand es 7:12 – und unsere Mannschaft wirkte sichtlich geschockt.
Philipp Reichart musste vor der Pause noch Schlimmeres verhindern, dann ging es mit einem Rückstand in die Halbzeit. Ein Spiel, das der X-PRESS eigentlich kontrolliert hatte, war komplett gekippt.
Nach der Pause: fast nur noch Gökce
Nach der Halbzeit war das Bild eindeutig: Die Offense der Munich Cowboys II bestand im Grunde fast ausschließlich aus Läufen über Emre Gökce. Viel mehr kam von den Gästen nicht, aber dieser eine Baustein reichte immer wieder, um wichtige Yards zu holen. Wenn München beim eigenen Drive ein paar Meter zum First Down fehlten, war es meistens Gökce, der sie besorgte.
Es fühlte sich zeitweise an, als würde der X-PRESS nicht gegen die Munich Cowboys II spielen, sondern gegen Emre Gökce allein. Julius Angerer erkannte die Leistung des Münchner Running Backs neidlos an: „Emre Gökce war auf Seiten der Munich Cowboys II sicher der herausragende Spieler. Er ist ein Wahnsinns-Running-Back, da sieht man einfach seine Qualität. Auch bei Spielern wie Lukas Brachem merkt man, dass da Bundesliga-Erfahrung vorhanden ist.“
Unsere Defense hielt trotzdem stark dagegen und ließ in der gesamten zweiten Halbzeit nur drei Punkte zu. Auch Eckstein betonte nach dem Spiel, dass die Defensive grundsätzlich gut gearbeitet hatte: „Natürlich war die Stimmung nach dem Spiel nicht gerade gut, alle sind etwas schockiert. Ich dachte auch, wir würden meine Interception besser nutzen und das Ding nach Hause bringen. Aber am Ende hat München dann einfach verdient gewonnen, auch wenn sie in der zweiten Halbzeit nur drei Punkte gemacht haben.“
Hayes bringt Landsberg zurück – doch der Extrapunkt fehlt
Offensiv fehlte den X-MEN lange der letzte Punch. Claudio Bierhenke und Amadeus Beuthner liefen immer wieder an, Jan Roller setzte selbst einige gute Läufe, doch in den entscheidenden Momenten fehlten Ruhe, Erfahrung oder schlicht das letzte Prozent.
Im letzten Viertel kam dann doch noch der Moment, der das Spiel hätte drehen können: Jan Roller warf einen fantastischen Pass auf Bryant Hayes, der den Ball zum Touchdown in die Endzone brachte. Der X-PRESS führte wieder – 13:12.
Doch der anschließende PAT misslang. So blieb es bei einem einzigen Punkt Vorsprung. Im Nachhinein bleibt die Frage, ob eine Two-Point-Conversion die bessere Wahl gewesen wäre, denn mit drei Punkten Vorsprung hätte ein spätes Field Goal der Cowboys nur den Ausgleich bedeutet. So aber blieb München mit einem Field Goal in Schlagdistanz.
Interception, Hoffnung – und der bittere Schluss
Die Defense tat weiter alles, um das Spiel nach Hause zu bringen. Philipp Reichart stoppte Emre Gökce energisch, die Front arbeitete, die Sideline hoffte. Dann kam der große Moment von Rolf Eckstein: Interception für den X-PRESS. War das die Entscheidung?
Noch gut fünf Minuten waren zu spielen. Jetzt hätte unsere Mannschaft die Uhr kontrollieren und das Spiel beenden können. Doch es gelang nicht, den entscheidenden Drive sauber zu Ende zu bringen. Die Cowboys bekamen den Ball noch einmal – und wie schon so oft an diesem Nachmittag war es Emre Gökce, der den letzten Drive der Gäste dominierte.
München brauchte nur ein Field Goal. Drei Sekunden vor Schluss war es dann so weit: Der Kick saß, die Cowboys II drehten das Spiel endgültig und gingen mit 15:13 in Führung. Danach blieb keine Zeit mehr für eine Antwort.
Applaus von den Rängen, aber leere Gesichter auf dem Feld
Nach dem Schlusspfiff waren Mannschaft und Trainerteam sichtlich am Boden. Diese Niederlage tat weh. Weil unsere Jungs geführt hatten. Weil die Defense lange stark gespielt hatte. Weil es mehrere Chancen gab, das Spiel zu entscheiden. Und weil am Ende ein einziger gegnerischer Schlüsselspieler den Unterschied machte.
Trotzdem gab es von den Rängen Applaus. Die Fans hatten gesehen, dass der X-PRESS gekämpft hatte. Aber sie hatten auch gesehen, dass an diesem Tag zu viele Kleinigkeiten nicht passten.
Julius Angerer fand nach der Partie deutliche Worte: „Trotzdem darf das für uns keine Ausrede sein. Diese Niederlage wird einiges an Nachbearbeitung erfordern. Im Moment bin ich ehrlich gesagt noch etwas ratlos und muss das erst einmal sacken lassen.“
Aufrichten, weitermachen
So bitter diese Niederlage ist: Die Saison geht weiter. Jetzt heißt es für unsere Jungs, sich aufzurichten, die Fehler ehrlich aufzuarbeiten und den Blick nach vorne zu richten.
Schon am Samstag, 11. Juli, wartet die nächste Chance. Dann geht es für den Landsberg X-PRESS auswärts zu den Fursty Razorbacks nach Fürstenfeldbruck. Kickoff ist um 16:00 Uhr.
Dort kann unsere Mannschaft zeigen, dass sie aus diesem Abend gelernt hat. Aufrichten, weitermachen – X-PRESS Football ist noch lange nicht vorbei.
Text; Dietrich Limper
Fotos: Paul Klieber | Instagram
