24:22 gegen die Nürnberg Hawks vor 822 begeisterten Zuschauern
Was für ein Football-Nachmittag im Sportzentrum Landsberg: Perfektes Wetter, starke Kulisse, 822 begeisterte Zuschauer und am Ende ein Drama, das man so schnell nicht vergessen wird. Unser Landsberg X-PRESS hat am RIEBEL-Gameday endlich den ersten Heimsieg der Regionalliga-Saison eingefahren. Gegen die Nürnberg Hawks gewannen unsere Jungs nach einem hochdramatischen Finish mit 24:22
Es war ein Spiel mit allem, was Football ausmacht: Big Plays, starke Läufe, harte Defense, Rückschläge, Nervenflattern, eine schwere Schrecksekunde – und ein letzter Spielzug, der das Stadion zum Beben brachte.
Konzentrierter Start unserer X-MEN
Die Nürnberg Hawks waren vor der Partie nur schwer einzuschätzen. Einerseits hatten die Franken gegen die Munich Cowboys II verloren, andererseits hatten sie dem Tabellenführer Neu-Ulm Spartans die bislang einzige Saisonniederlage beigebracht. Nach gewonnenem Coin Toss entschied sich das Team von Head Coach Bastian Goess für den Kickoff – und damit bekam unsere Offense zuerst den Ball.
Der X-PRESS startete konzentriert und mit viel Tempo. Die No-Huddle-Offense lief phasenweise so fix, dass die Lechstädter manchmal sogar schneller waren, als der Ball freigegeben war. Claudio Bierhenke zeigte früh schöne Läufe, anschließend versuchte Hannes Haug ein Field Goal. Doch Haug hatte an diesem Tag mit keinem seiner Kicks das nötige Glück. Mal zu kurz, mal vorbei – das Zielwasser war diesmal nicht im Tank. Nach dem Spiel nahm er es mit Humor: „Ich hatte das falsche Unterhemd an“, sagte er grinsend.
Auch die Hawks kamen danach besser in die Partie. Quarterback Christian Adorno trieb die Gäste an, doch unsere Defense stand stabil. Luis Launer war bei einem Passversuch ganz nah an der Interception, wenig später scheiterten die Nürnberger beim vierten Versuch. Der Ball war wieder bei unseren Jungs.
Amadeus Beuthner belohnt starke Leistung
Jetzt übernahm die X-PRESS-Offense wieder die Kontrolle. Amadeus Beuthner setzte immer wieder energische Läufe, fand Lücken und kämpfte sich Yard um Yard nach vorne. Schließlich belohnte er seine starke Vorstellung mit dem Touchdown zum 6:0. Der PAT ging daneben, doch die Richtung stimmte: Unsere Mannschaft hatte das Spiel im Griff.
Im zweiten Viertel machten es die Hausherren den Hawks allerdings durch Strafen leichter. Nürnberg nutzte die Gelegenheit, kam zum Touchdown und verwandelte den Extrapunkt zur 6:7-Führung. Doch der X-PRESS antwortete schnell. Lukas Saurwein führte die Offense wieder nach vorne, und Hannes Haug machte es auf dem Feld besser als bei den Kicks: Er fing den Touchdown zum 12:7. Über den anschließenden PAT legen wir lieber den Mantel des Schweigens.
Schreckmoment kurz vor der Pause
Kurz vor der Halbzeit kam dann der Moment, in dem es im Stadion plötzlich still wurde. Quarterback Lukas Saurwein knickte ohne Einwirkung eines Gegners um und musste behandelt werden. „Ich glaube, da war irgendwie so eine Mulde im Boden“, erklärte Luki später. „Es war ein ganz komischer Schritt, das Knie ist nach hinten durchgeschlagen. Es hat sofort brutal wehgetan und war ein bisschen instabil.“
Saurwein konnte zwar noch vom Feld humpeln, aber für die X-MEN war sofort klar: Jetzt musste Jan Roller ran. Head Coach Gabriel Chambers rief den 21-Jährigen an die Seitenlinie: „Jan, mach dich ready!“ Der junge Quarterback wurde ins kalte Wasser geworfen.
„Ich war nervös“, gestand Roller nach dem Spiel. „Ich habe ewig nicht mehr Quarterback trainiert und war selbst lange verletzt. Aber ich wusste, ich kann meine Teamkollegen nicht im Stich lassen. Ich musste was zeigen.“
Bis zur Halbzeit ging es nun vor allem darum, die Führung zu sichern. Haug versuchte noch ein Field Goal aus 43 Yards, doch auch dieser Kick fand nicht den Weg zwischen die Stangen. Mit 12:7 ging es in die Kabinen – und alle stellten sich dieselbe Frage: Kommt Luki noch einmal zurück?
Jan Roller übernimmt – und das Team steht hinter ihm
Die Antwort nach der Pause lautete zunächst: nein. Saurwein konnte nicht weitermachen, Roller musste übernehmen. Und unsere Mannschaft tat genau das, was ein Team in solchen Momenten tun muss: Sie stellte sich komplett hinter ihren jungen Quarterback.
Vor allem die Offensive Line leistete großartige Arbeit. „Ohne die O-Line hätten wir keine Chance gehabt“, sagte Roller. „Mit der Unterstützung meiner Teamkollegen haben wir es geschafft.“
Auch Gabriel Chambers lobte den Zusammenhalt: „Wenn dein Starting Quarterback ausfällt, ist das immer ein harter Moment. Aber Jan war bereit. Ich habe ihm gesagt: Bleib ruhig, sei du selbst. Als Quarterback berührst du bei jedem Spielzug den Ball, du hast Kontrolle – deshalb musst du ruhig bleiben.“
Die zweite Halbzeit wurde zunächst ein Kampf um jeden Meter. Chambers griff zeitweise sogar selbst als Running Back ein, auch Defensiv-Ass Devion Young half in der Offense aus. Die Hawks schadeten sich in dieser Phase durch Strafen selbst, das dritte Viertel blieb ohne Punkte.
Hawks drehen das Spiel – X-PRESS antwortet
Im Schlussviertel wurde es dann wild. Zunächst hatten die Hawks einen Drive, doch Philipp Reichart und Timo Obermüller waren aufmerksam und verhinderten wichtigen Raumgewinn. Trotzdem kamen die Gäste in die Redzone und nutzten den zweiten Versuch zum Touchdown. Mit erfolgreicher Two-Point Conversion stand es plötzlich 12:15.
Ein Field Goal hätte nun nur den Ausgleich gebracht. Unsere Jungs brauchten mehr – und sie lieferten. Amadeus Beuthner setzte erneut starke Läufe, dann packte Devion Young einen Megalauf über den halben Platz aus und brachte die X-MEN mit 18:15 wieder in Führung. Für die Two-Point Conversion kam sogar Saurwein noch einmal aufs Feld, doch sein Pass segelte ins Nirwana. Es blieb beim 18:15.
Noch vier Minuten waren zu spielen. Jetzt war die Defense gefordert. Unsere Jungs setzten Adorno unter Druck, doch der Nürnberger Quarterback entkam der Bedrängnis und fand mit einem starken Pass einen freien Mitspieler. Weil die X-PRESS-Defense aufgerückt war, ging es direkt in die Endzone. Touchdown Hawks, PAT gut – 18:22. Nur noch 1:48 Minuten auf der Uhr.
1:48 Minuten für die Ewigkeit
Die Fans gaben alles. Das Sportzentrum stand hinter unserer Mannschaft, die Stimmung war großartig – und die X-MEN mussten noch einmal über das Feld.
Devion Young lief, dann kam eine Strafe. Plötzlich hieß es 3rd Down & 26. Jan Roller behielt die Nerven, lief selbst und holte das erneute First Down. Noch eine Minute. Bryant Hayes lief, Devion Young lief, noch 29 Sekunden. Dann ein weiter Pass von Roller – stark geworfen, aber leider knapp im Aus. Die Coaches managten die Uhr clever, nahmen die richtigen Auszeiten und gaben der Offense noch eine letzte Chance.
Roller lief erneut selbst mit dem Ei, rannte ins Aus und stoppte die Uhr. Dann noch eine Strafe gegen den X-PRESS. Sieben Sekunden blieben.
Und dann humpelte Luki Saurwein zurück aufs Feld.
Der verletzte Quarterback nahm den Snap, warf den Ball auf Bryant Hayes – und Hayes machte daraus den Moment des Tages. Der Receiver näherte sich der Endzone, sah aus dem Augenwinkel noch einen Gegenspieler und wusste: Jetzt oder nie. Er sprang mit allem, was er hatte, in Richtung Goal Line.
Touchdown X-PRESS!
Das Stadion explodierte. Spieler, Coaches, Sideline, Fans – alle lagen sich in den Armen. Wohlweislich verzichteten die Landsberger auf den PAT. Das Spiel war entschieden. 24:22 für unsere Jungs.
„Beim letzten Spielzug war nicht geplant, dass ich zwingend den Ball bekomme“, sagte Hayes später. „Bei diesem Play hätte jeder den Ball bekommen können. Ich bin einfach froh, dass er bei mir gelandet ist. Ich habe jemanden aus dem Augenwinkel gesehen und wusste: Ich muss jetzt in die Endzone springen. Es war jetzt oder nie.“
Ein Spiel, das man gesehen haben musste
Nach dem Schlusspfiff gab es stehende Ovationen für beide Mannschaften. Die Nürnberg Hawks waren ein starker und fairer Gegner, der dem X-PRESS alles abverlangte. Doch an diesem Tag gehörte das letzte Wort den Hausherren.
Jan Roller wurde nach seiner starken Leistung als Ersatz-Quarterback verdient zum „Man of the Match“ gewählt. Präsident Julius Angerer brachte es danach auf den Punkt: „An Drama war dieses Spiel nicht mehr zu toppen. Für die Fans war es von der Spannung her kaum zu überbieten. Ich bin nur noch auf und ab gelaufen, Puls 140. Aber am Ende zählt: Sieg ist Sieg.“
Auch Head Coach Gabriel Chambers widmete den Erfolg nicht nur dem Team, sondern auch dem Umfeld: „Wir haben nicht aufgegeben und zurückgeschlagen. Dieser Sieg ist für die Stadt Landsberg und für unsere Fans, die auch nach dem schwierigen Saisonstart zu uns gehalten haben.“
Lukas Saurwein selbst war trotz Schmerzen erleichtert: „Es war wieder unnötig dramatisch – aber am Ende auch einfach ein toller Sieg.“
Ausblick: Erst Rams, dann Cowboys II
Mit dem Erfolg steht der Landsberg X-PRESS in der Tabelle der Regionalliga Süd aktuell auf Platz 6. Weiter geht es für unsere Mannschaft am 28. Juni auswärts bei den Nürnberg Rams. Das nächste Heimspiel steigt am 4. Juli gegen die Munich Cowboys II. Kickoff ist um 17:00 Uhr im Sportzentrum Landsberg.
Nach diesem RIEBEL-Gameday ist klar: Wer X-PRESS-Football live erlebt, bekommt keine Langeweile. Und manchmal reichen sieben Sekunden für ein kleines Football-Wunder.
Text: Dietrich Limper
Fotos: Christoph Lindau | Instagram |
