Nur sechs Tage nach der 24:31-Niederlage in Amberg konnten die Footballer des Landsberg X-PRESS eine erfolgreiche Wiedergutmachung feiern. Vor 850 Zuschauern im Sportzentrum Landsberg wurden die Mad Bulldogs in einer sehr umkämpften Partie mit 33:29 (13:10, 0:13, 14:6, 6:0) Am RIEBEL-Gameday geschlagen.
In der Tabelle der Football-Regionalliga Süd bleibt der X-PRESS auf dem dritten Rang, weil der direkte Konkurrent aus Neu-Ulm mit 42:14 gegen die Passau Pirates siegte – allerdings bei zwei Spielen mehr.
Was für die Zuschauer ein echtes Spektakel war, wurde von den Trainern der beiden Teams eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Im Interview nach der Partie war unser Head Coach Gabriel Chambers nicht wirklich amüsiert: „Letzte Woche haben wir uns selbst geschlagen und 175 Yards an Strafen kassiert. Es ist eine reine Kopfsache. Meine Jungs haben es auch heute wieder an Disziplin mangeln lassen, und das werde ich auch noch ansprechen.“ Ambergs Coach Dany Emmanuel brachte den Nachmittag auf den Punkt: „Meine Spieler waren absolut motiviert und haben alles gegeben. Das Spiel hätte auch anders ausgehen können.“
Klassischer Fehlstart
Die X-Men waren in den ersten Minuten der Partie mit den Köpfen anscheinend noch in der Kabine, denn den Gästen gelang direkt im ersten Drive ein Touchdown. Wenig später versemmelten unsere Jungs einen Punt. Amberg nutzte diesen Fehler zu einem Field Goal, und plötzlich stand es 10:0 für die Mad Bulldogs. Eine Reaktion der X-Men war nun gefragt – und es war nicht von ungefähr unser Running Back Sulaiman Bello, der durch einen Lauf auf 6:10 aus Sicht der X-Men verkürzte. Bello ist in dieser Saison eine echte Waffe. Nicht minder beeindruckend war die Leistung von Philipp Reichert in der Defensive, der den Drive der Bulldogs mit einer Interception beendete. Unsere Männer hatten es weiterhin eilig, und Patrick Brüsselbach fing einen weiten Pass von Richard Lara, nachdem auch das vierte Down ausgespielt worden war. Das Risiko wurde belohnt – und an diesem Tag noch öfter eingegangen, mit unterschiedlichem Erfolg. Anschließend gelang Hannes Haug der Touchdown zum 12:10, und beim anschließenden PAT hatte er anscheinend die passenden Schuhe an. So gingen wir mit einer knappen 13:10-Führung ins zweite Viertel.
War der Knoten nun geplatzt? Nein, im Gegenteil. Die nächsten Minuten gehörten den Mad Bulldogs, die ihre Drives mit stoischer Ruhe ausspielten und Meter für Meter gutmachten. Wie eine unaufhaltsame Maschine arbeiteten sie sich Richtung Endzone und stellten auf 13:16. Bei unseren Jungs wollte das Passspiel überhaupt nicht funktionieren, sodass Amberg schnell wieder in Ballbesitz kam. Drei Läufe und ein Pass später gelang ihnen erneut ein Touchdown nebst Extrapunkt – und mit einem besorgniserregenden 13:23 trotteten unsere Jungs in die Kabine.
„Es war klar, dass das heute kein Selbstläufer werden würde“, sagte unser Präsident Markus Gruberbauer nach dem Spiel. „Aber die Mannschaft hat den Kampf angenommen und in der zweiten Halbzeit das umgesetzt, was von ihnen verlangt wurde.“
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Wenn der Heach Coach rennt
Allerdings war Amberg zunächst am Drücker und hatte direkt nach der Pause die Chance, die Führung auszubauen. Wieder musste Philipp Reichert eingreifen und Schlimmeres verhindern. Beide Teams fanden in dieser Phase kein wirkungsvolles Mittel, um die gegnerische Defensive zu knacken. Also griff X-Man Warren Bartlett zu einem eher unkonventionellen Mittel: Unauffällig trottete er in mäßigem Tempo diagonal über den Platz in die gegnerische Endzone. Aus welchem Grund auch immer ließen ihn die Gegner gewähren. Schließlich drehte er sich lässig um und fing den weiten Pass unseres Quarterbacks zum Touchdown. Hannes Haug setzte dieser famosen Aktion mit dem PAT die Krone auf – und wir waren auf 20:23 dran.
Doch mitten in der nun aufkeimenden Euphorie wurden die Mad Bulldogs zu Partycrashern und rollten mal wieder in die Endzone des X-PRESS. Zum Glück ging die anschließende 2-Point-Conversion schief, aber auch das 20:29 drückte die Stimmung im Stadion. Doch nun schlug die Stunde unseres Head Coaches Gabriel, der sich selbst einwechselte, den Kick des Gegners aufnahm und über den gesamten Platz in die Endzone trug. Das Stadion stand Kopf. „Ich bedanke mich bei den Jungs, die meinen Weg freigeblockt haben“, erinnert sich Chambers, „aber allzu oft kann ich solche Aktionen nicht mehr bringen, das machen meine Knochen nicht mehr mit.“
Auf des Messers Schneide
Hannes machte den Extrapunkt – und mit 27:29 ging es ins letzte Viertel. Die Gäste wussten, was die Stunde geschlagen hatte, und die Defensive der Bulldogs gab alles. Richard Lara, Sulaiman Bello, Claudio Bierhenke und Tobias Weiglein warfen alles in die Waagschale, doch das Ei wollte einfach nicht in die Endzone der Amberger. Devion Young gelang eine fantastische Interception – aber auch daraus konnte kein Kapital geschlagen werden. Und es hagelte Strafen: Beide Teams leisteten sich Unsportlichkeiten, die Partie drohte an den Disziplinlosigkeiten zu zerbrechen, und die Uhr tickte gegen den Landsberg X-PRESS.
Doch Warren Bartlett wollte sich nicht geschlagen geben, fing erneut einen Pass von Richard Lara und trug den Ball zum 33:29 in die Endzone. Die Fans hielt es nun nicht mehr auf den Sitzen – die Stimmung war bombig und konnte auch nicht durch den vergebenen PAT von Hannes getrübt werden. Noch knapp zwei Minuten zu spielen. Jetzt zeigte unsere Defense eine beeindruckende Vorstellung: Amberg kam nicht mehr durch, und Jakob Müller schnappte sich das Ei nach einem Fumble des gegnerischen Quarterbacks Matthew O’Meara, den unser Timo Obermüller erzwungen hatte. Danach noch ein paar Sekunden Zittern, noch eine seltsame Schiedsrichterentscheidung zu unseren Gunsten – dann durfte gejubelt und Sulaiman Bello zum „Man of the Match“ gekürt werden.
„Ich bin stolz auf die meisten meiner Jungs“, sagte Dany Emmanuel nach dem Abpfiff, „aber leider hat in einigen Situationen das Timing und die Disziplin nicht gestimmt.“
Unser Coach ergänzte: „Es darf gar nicht so weit kommen, dass ich das Blatt wenden muss. Wir hatten vorher genug Möglichkeiten, um den Spielstand zu drehen. Ich hoffe, dass wir uns im nächsten Spiel nicht wieder darauf verlassen müssen.“
Und die nächste Partie hat es in sich: Unsere Fahrt geht in die Fuggerstadt zum Derby beim ungeschlagenen Tabellenführer Augsburg Centurions. Kickoff ist am Samstag, 12.07.25, um 17:00 Uhr. Wer dieses grandiose Heimspiel gegen Amberg verpasst hat, kann bereits in knapp zwei Wochen dabei sein, wenn es gegen die Neu-Ulm Spartans zum Showdown um Platz zwei in der Liga geht. Die Partie wird am 19.07. um 17:00 Uhr angepfiffen.
Bereits vor dem Spiel der X-PRESS-Seniors lieferte unsere U19 den Nürnberg Rams einen großartigen Fight, musste sich aber mit 8:41 geschlagen geben.
Text: Dietrich Limper
Fotos: Fabian Erhardt